Auf den Punkt: KI-gestützte Angriffe werden die Cybersecurity-Landschaft in Deutschland fundamental verändern, während das Land bereits als Top-Ziel für Ransomware-Anschläge gilt.
Deutsche Behörden sehen in der Kombination aus Künstlicher Intelligenz und Cyberangriffen eine fundamentale Verschärfung der Bedrohungslage. Die BSI-Präsidentin spricht von einer „neuen Zeitrechnung der Cybersicherheit", die die kommenden Jahre maßgeblich prägen wird.
Die Bundesrepublik steht nach Einschätzung von Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), vor „sehr holprigen und unruhigen” Jahren. Grund ist die zunehmende Nutzung Künstlicher Intelligenz durch Cyberkriminelle. Plattner äußerte sich zur Cybersicherheitskonferenz am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam, wo sich Führungskräfte deutscher Sicherheitsbehörden zusammenfanden. Mit KI könnten Angreifer Schwachstellen in IT-Systemen schneller aufspüren und ausnutzen – ein qualitativer Sprung in der Angriffsfähigkeit.
Sinan Selen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, beschreibt Cyberangriffe als „Seismograph für geopolitische Spannungen” und konstatiert, dass dieser „bei uns massiv ausschlägt”. Die Komplexität der Abwehr nimmt kontinuierlich zu. Um effektiver zu reagieren, hat die Bundesregierung das Cyberabwehrgesetz in das parlamentarische Verfahren eingebracht. Bislang fehlte den Behörden nach Aussage von Marina Link, Vize-Präsidentin des Bundeskriminalamtes, die Befugnis zur aktiven Cyberabwehr – man müsse „warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist”. Zudem nahmen Bund und Länder ein Gemeinsames Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen in Betrieb, das Spionage, Sabotage und Informationsmanipulation adressieren soll.
Deutschland gilt europaweit als Hotspot für Ransomware-Angriffe. Christian Dörr, Cybersecurity-Experte am HPI, warnt vor den wirtschaftlichen Folgen: Lösegeldforderungen liegen durchschnittlich im Bereich von Hunderttausenden Euro, hinzu kommen Ausfallzeiten von Wochen, die Unternehmen in den Konkurs treiben können. Das Bundeskriminalamt registrierte 2025 bundesweit 1.041 angezegte Fälle von Ransomware-Angriffen und erpressungsgebeundenen Datendiebstählen – ein Anstieg gegenüber 950 Fällen im Jahr 2024. Dörr kritisiert ein mangelhaftes Bewusstsein für Cybersecurity in Deutschland: das Land hänge international hinterher.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 24. Juni 2026
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