Auf den Punkt: Große Einzelhandelskonzerne wollen KI-generierte Produkt- und Werbefoto nicht kennzeichnen müssen, sofern sie nicht täuschungsabsichtlich sind.
Der europäische Handelsverband Eurocommerce hat die EU-Digitalbeauftragte Henna Virkkunen aufgefordert, Ausnahmen von den neuen Transparenzregeln des AI Act für KI-generierte Werbebilder zu schaffen. Der Verband argumentiert, dass kommerzielle Werbung ohne Täuschungsabsicht nicht unter die Kennzeichnungspflicht für Deep Fakes fallen sollte.
Eurocommerce, das Verbandsdachunternehmen von Amazon, H&M, Ikea und Inditex, hat schriftlich an die Europäische Kommission herangetreten. Die Forderung zielt darauf, dass generative KI-Werbeanzeigen und Produktfotos von der ab dem 2. August 2026 geltenden Kennzeichnungspflicht des EU-Gesetzes über künstliche Intelligenz ausgenommen werden. Das Gesetz schreibt vor, dass Inhalte wie Bilder, Videos oder Audiodateien deutlich kenntlich gemacht werden müssen, wenn sie mittels KI erzeugt oder verändert wurden und den Charakter eines Deep Fake erfüllen.
Generaldirektorin Christel Delberghe argumentiert in dem Schreiben, dass kommerzielle Werbemittel, die nicht darauf ausgerichtet sind, Nutzer zu täuschen, nicht unter diese strenge Definition fallen sollten. Konkrete Beispiele sind die KI-gestützte Erzeugung eines Wohnzimmers zur Sofapräsentation oder die Verbesserung von Produktbildern für Präsentationszwecke. Der Verband warnt überdies vor einer Entwertung der Kennzeichnungspflicht selbst: Eine pauschale Markierung aller KI-Werbemittel könne dazu führen, dass Verbraucher durch eine Flut an Hinweisen abgestumpft werden und der aufklärende Zweck verloren geht.
Generative KI ist im Online- und Einzelhandel längst etabliert. Zalando hat durch KI-gestützte Contenterstellung die Kosten für die Produktion von Bildern und Texten um 90 Prozent gesenkt. H&M und Zara setzen digitale Klone von Models ein, um Bekleidung virtuell zu präsentieren. Eine verpflichtende Kennzeichnung würde folglich einen erheblichen Teil der alltäglichen Bild- und Werbeproduktion dieser Branche erfassen. Eine offizielle Antwort der Europäischen Kommission auf das Schreiben liegt bislang nicht vor.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 22. Juni 2026
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