Auf den Punkt: Ein neues Zentrum bündelt Einsatzkräfte aus Polizei, Geheimdiensten und Behörden, um hybrid angreifende Akteure – derzeit primär Russland – durch koordinierte Abwehrmaßnahmen zu bekämpfen.
Deutschland hat ein Gemeinsames Abwehrzentrum (GAZ Hybrid) eingerichtet, in dem Sicherheitsbehörden künftig systematisch Informationen zu hybriden Angriffen austauschen. Der Fokus liegt auf schneller Koordinierung statt fragmentierter Einzelabwehr.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat das Gemeinsame Zentrum von Bund und Ländern zur Abwehr hybrider Bedrohungen (GAZ Hybrid) eröffnet. Im Zentrum werden Beamte aus Polizeibehörden, Nachrichtendiensten und weiteren Behörden regelmäßig Erkenntnisse zu drohenden und akuten hybriden Angriffen austauschen und bei Bedarf schnell Abwehrmaßnahmen koordinieren. Das Leitprinzip lautet „Koordinierung statt Kompetenzgerangel”.
Zu den beteiligten Behörden zählen die Verfassungsschutzämter von Bund und Ländern, das Bundeskriminalamt (BKA), die Landeskriminalämter, der Bundesnachrichtendienst (BND), der Militärische Abschirmdienst (MAD), die Generalzolldirektion, der Generalbundesanwalt und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge kann einen Vertreter entsenden; weitere Stellen wie die Bundeswehr können anlassbezogen hinzugezogen werden.
Unter hybrider Kriegsführung versteht man eine Kombination aus militärischen, wirtschaftlichen, geheimdienstlichen und propagandistischen Mitteln. Dazu gehören staatlich gelenkte Cyberattacken, Spionage, Sabotage, Desinformation sowie die Beeinflussung der öffentlichen Meinung etwa vor Wahlen. Nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz entfaltet derzeit Russland die größten Aktivitäten auf diesem Gebiet, kombiniert dabei analoge Operationen mit Cyberattacken und bedient sich verschiedener Akteure von Geheimdienstmitarbeitern bis zu kriminellen Gruppen. Zwar wurden in den vergangenen Jahren auch mutmaßliche chinesische Agenten in Deutschland entdeckt, doch ist die russische Bedrohung aktuell dominant.
Dobrindt kündigte gleichzeitig einen baldigen Kabinettsbeschluss zu erweiterten Befugnissen für BND und Verfassungsschutz an. Die deutschen Nachrichtendienste sollten zu vollständigen „Geheimdiensten” weiterentwickelt werden, wofür es zusätzliche Befugnisse im Online-Bereich und die Möglichkeit zur aktiven Abwehr brauche.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 16. Juni 2026
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