Auf den Punkt: Mario Draghi warnt Europa vor strategischer Isolation unter Trump und fordert massive Investitionen in KI, Verteidigung und Energie. Das wirtschaftliche Reformprogramm der EU erfordert eine jährliche Finanzierung von etwa 1,2 Billionen Euro.
Der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi hat Europa am Donnerstag in Aachen vor grundlegenden Herausforderungen gewarnt. Bei der Entgegennahme des Internationalen Karlspreises betonte er, dass die USA zunehmend "unberechenbarer und adversarial" geworden seien und Europas Sicherheit möglicherweise nicht mehr garantieren können.
Der frühere italienische Ministerpräsident Draghi appellierte in seiner Rede an führende europäische Politiker, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz und EZB-Präsidentin Christine Lagarde, die europäischen Verhältnisse grundlegend zu ordnen. Die Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus und eine konfrontativere amerikanische Haltung in Handels- und Sicherheitsfragen haben die Herausforderungen Europas verschärft.
Draghi warnte vor “strategischen Abhängigkeiten”, die neu bewertet werden müssen. Er forderte eine massive Steigerung der Investitionen in künstliche Intelligenz und Verteidigung sowie in die Energieinfrastruktur des Kontinents. Sein 2024 veröffentlichtes wirtschaftliches Reformprogramm für die EU soll jährlich etwa 1,2 Billionen Euro kosten.
Besonders kritisierte Draghi die schleppenden Entscheidungsprozesse in der EU, die Maßnahmen verwässerten und verzögerten. “Schwache Umsetzung untergräbt die Legitimität, und schwache Legitimität macht die Umsetzung noch schwächer.” Diesen Kreislauf müsse Europa durchbrechen, forderte er.