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Cyberangriffe sind für Deutsche größere Sorge als Terrorismus oder Naturkatastrophen

Auf den Punkt: Deutsche sehen Cyberangriffe als größere Bedrohung als Terrorismus oder Naturkatastrophen, doch bei Investitionen und Eigenverantwortung zeigen sie sich weniger entschlossen.

Eine repräsentative Umfrage des TechnikRadar 2026 zeigt: 85 Prozent der Deutschen sehen Cyberkriminalität und KI-gestützten Betrug als ernsthafte Bedrohung — stärker als Terrorismus, militärische Konflikte oder Naturkatastrophen. Dieser Wahrnehmungswandel signalisiert ein Sicherheitsverständnis, das digitale Risiken neu bewertet.

Die Angst vor digitalen Bedrohungen hat in Deutschland ein neues Ausmaß erreicht. Nach der repräsentativen forsa-Umfrage im Auftrag von acatech – der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften – bewerten über acht von zehn Befragten Cyberkriminalität als ernsthafte Gefahr. 85 Prozent äußern Besorgnis über Angriffe auf Privatpersonen und Betrugsversuche unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Fast genauso viele (82 Prozent) fürchten Attacken auf staatliche Einrichtungen und kritische Infrastrukturen wie Stromnetze, Mobilfunk oder Trinkwasserversorgung. Zum Vergleich: Terrorismus und Gewaltkriminalität werden von 72 Prozent als Bedrohung angesehen, Klimawandel und militärische Angriffe jeweils von etwas mehr als der Hälfte der Befragten.

Zwischen Wahrnehmung und konkreter Erfahrung klafft eine erhebliche Lücke. Nur neun Prozent der Befragten berichten von einem selbst erlebten Cyberangriff in den vorherigen zwölf Monaten, bei Gewaltkriminalität sind es lediglich zwei Prozent. Trotz dieser Diskrepanz empfinden sich 56 Prozent der Bundesbürger insgesamt sicher — mit deutlichen Unterschieden zwischen Bevölkerungsgruppen. Männer sowie Westdeutsche bewerten ihre Sicherheitslage häufiger als positiv als Frauen beziehungsweise Ostdeutsche. Menschen mit Hochschulabschluss fühlen sich spürbar sicherer als solche ohne akademischen Hintergrund.

Bei der Frage nach Investitionen zeigt sich ein weiterer Widerspruch: In einem hypothetischen Szenario mit 100 Milliarden Euro zusätzlichem Sicherheitsbudget würden die höchsten Mittel in technische Infrastruktur, Bundeswehr sowie Polizei und Sicherheitskräfte fließen — die Cyberabwehr landete trotz hoher Bedrohungswahrnehmung auf dem letzten Platz. Die Prioritäten unterscheiden sich je nach politischer Orientierung: CDU- und CSU-Anhänger setzen stärker auf militärische Verteidigung, Linke auf Infrastruktur und Extremwetterschutz, AfD-Sympathisanten auf Polizei und Sicherheitsbehörden.

Acatech-Präsidentin Claudia Eckert interpretiert die hohe Sensibilität für digitale Risiken als klares Signal an Politik, Wirtschaft und Forschung, Cybersicherheit konsequent auszubauen und technologische Abhängigkeiten zu reduzieren. Gleichzeitig ist die Bereitschaft zur Eigenverantwortung begrenzt: Nur 15 Prozent würden höhere Steuern zur Finanzierung zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen akzeptieren. Einschränkungen persönlicher Freiheiten oder erweiterte staatliche Überwachungsbefugnisse finden nur bei Minderheiten Zustimmung.


Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 27. Juni 2026
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