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Verfassungsschutz mahnt Hochschulen zu besserer Abwehr von Wissenschaftsspionage

Auf den Punkt: Chinesische Nachrichtendienste nutzen Cyberangriffe und eingeschleuste Personen, um Forschungsergebnisse und Technologie-Know-how aus deutschen Hochschulen abzuziehen — Hochschulen benötigen bessere Schutzmaßnahmen und Regelungen.

Deutsche Sicherheitsbehörden warnen vor systematischer Spionage durch chinesische Geheimdienste an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Laut Verfassungsschutz-Präsident Sinan Selen unterscheidet sich das Sicherheitsbewusstsein in Forschung und Lehre erheblich von dem in der Wirtschaft.

Deutsche Sicherheitsbehörden haben auf der Cybersicherheits-Konferenz in Potsdam vor intensiver Spionage durch chinesische Geheimdienste an deutschen Forschungseinrichtungen gewarnt. Verfassungsschutz-Präsident Sinan Selen kritisierte das Sicherheitsbewusstsein an Hochschulen: Während Unternehmen inzwischen sensibilisiert seien, fehle es in Forschung und Lehre an vergleichbarem Vorsichtsmaßnahmen. Selen zufolge stehen deutsche Forschung und Lehre im Fokus chinesischer Nachrichtendienstaktivitäten, wobei zum Einsatz kommen: Cyberangriffe sowie das Einschleusen von Personen zur Informationsbeschaffung.

Konkrete Fälle verdeutlichen das Ausmaß: Im Mai wurde bekannt, dass ein deutsches Ehepaar chinesischer Herkunft aus München verdächtigt wird, im Auftrag eines chinesischen Geheimdienstes Kontakte zu deutschen Hochschulen hergestellt und deutsche Wissenschaftler unter Vorspiegelungen falscher Tatsachen nach China gelockt zu haben. Parallel wird untersucht, ob am Saarbrücker Forschungszentrum für IT-Sicherheit (Cispa) sicherheitsrelevante Forschungsergebnisse an ausländische Stellen gelangt sind und dadurch Rechtsverletzungen entstanden. Medienberichte deuten darauf hin, dass sensible Daten und Know-how zu Künstlicher Intelligenz und Cybersicherheit durch intensive Zusammenarbeit mit chinesischen Wissenschaftlern in die Volksrepublik geflossen sein könnten.

BSI-Präsidentin Claudia Plattner kündigte an, dass Bund und Einrichtungen ihre Schutzmaßnahmen und regulatorischen Vorgaben überprüfen müssen. Der IT-Sicherheitsexperte Christian Dörr vom Hasso-Plattner-Institut betont, dass Universitäten aufgrund ihrer Wissenschaftsfreiheit und des offenen Austausches deutlich schwieriger zu schützen sind als Unternehmen. Gleichwohl registriert er ein Umdenken mit Blick auf die Risiken der Wissenschaftsspionage.


Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 24. Juni 2026
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